Nach dem Musah-Tor: Eine Saison der Premieren

VIER WERDER-EIGENGEWÄCHSE HABEN IN DIESER SPIELZEIT IN DER BUNDESLIGA DEBÜTIERT

07.04.26 von Moritz Studer | 4 Min

Salim Musah jubelt nach seinem Tor gegen RB Leipzig mit ausgestrecktem Zeigefinger.

Dass sich der SV Werder auf hohe Qualität aus den eigenen Reihen freuen kann, hat der letztjährige Lauf der U19 mit dem DFB-Pokalsieg mindestens angedeutet. Tatsächlich haben einige dieser Protagonisten in der laufenden Spielzeit bereits eine wichtige Rolle in der Lizenzmannschaft eingenommen. Der erste Bundesliga-Treffer von Salim Musah war nicht die erste Premiere in der laufenden Spielzeit. Ein Rückblick.

Schon in der Sommervorbereitung deutete sich an, dass Karim Coulibaly und Patrice Čović schnell den Durchbruch in den Profifußball schaffen dürften. Letzterer feierte bereits im DFB-Pokal gegen Arminia Bielefeld sein Debüt, in der Bundesliga wurde das Duo gemeinsam am 1. Spieltag in Frankfurt eingewechselt. „Ich freue mich aber sehr über das Debüt und bin froh, dass wir zusammen unseren ersten Einsatz freuen können“, sagte Coulibaly damals am WERDER.TV-Mikrofon, an dem Teamkollege Čović ergänzte: „Die Enttäuschung überwiegt, weil wir mit anderen Erwartungen hergekommen sind. Vor dieser Kulisse zu spielen, ist was Besonderes. Das müssen wir jetzt erstmal verarbeiten und können uns dann darüber freuen.“

Einen noch emotionaleren Nachmittag erlebte Werders Nummer 31 eine Woche später: Beim 3:3-Unentschieden gegen Bayer 04 Leverkusen glich Coulibaly in der Nachspielzeit aus und avancierte mit 18 Jahren, 3 Monaten und 7 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Torschützen in der Vereinsgeschichte. „Ich bin ehrlich: Ich kann es bis heute nicht richtig in Worte fassen“, sagte der Innenverteidiger Anfang an Januar rückblickend auf diese Szene. „Das ganze hin und her in diesem Spiel mit einer Anfangsphase, die nicht so gut war. Und am Ende konnte ich mich doch zeigen und mit dem Ausgleichstreffer belohnen. Das war einfach unglaublich, diesen Moment werde ich nie vergessen.“ Mittlerweile bestritt Coulibaly bereits 22 Partien im Fußball-Oberhaus und spielte sich damit in die Notizbücher internationaler Spitzenklubs.

Karim Coulibaly jubelt nach seinem späten Ausgleich gegen Bayer 04 Leverkusen.
Karim Coulibaly kürte sich gegen Leverkusen zum jüngsten Torschützen der Vereinsgeschichte (Foto: WERDER.DE).

Čović sparte sich seinen besonderen Moment für seine Rückkehr in seine Heimatstadt auf. Ausgerechnet beim 4:1-Sieg beim 1. FC Union Berlin glückte dem Ex-Herthaner in der Nachspielzeit sein erstes Bundesliga-Tor – u.a. vor den tränenden Augen von Papa Ante, der selbst einst Profifußballer war. „Für mich geht es nicht schöner, wieder hier vor meiner ganzen Familie“, strahlte Čović in der Mixed Zone im Gespräch mit den Journalist*innen. „Ich hatte heute von Beginn an ein gutes Gefühl, als ich den Ball dann über die Linie gedrückt habe, war komplett Chaos in meinem Kopf. Am Ende freue ich mich aber noch mehr über den Sieg.“

Ein derartiges Happy-End war Salim Musah nicht vergönnt. Der 20-Jährige krönte unglaubliche Wochen nach seinem Debüt gegen Mainz 05 und dem ersten U20-Länderspiel mit seinem Treffer bei der 1:2-Niederlage gegen RB Leipzig. „Salim ist ein super Typ, der einfach lernen und sich weiterentwickeln will – den müssen wir nicht einfangen“, betonte Geschäftsführer Fußball Clemens Fritz nach dem Spiel. „Er hat die gewisse Leichtigkeit und Unbekümmertheit, die du brauchst. Er hat sich das erarbeitet, weil er sehr gute Leistungen gebracht hat.“

Mit diesem Trio ist die Liste der Debütanten aber noch nicht abgeschlossen. Mick Schmetgens feierte Mitte März gegen die Mainzer ebenfalls seine Bundesliga-Premiere. Wesley Adeh, der letztjährige Kapitän der U19, stand bereits vier Mal im Profikader, kuriert derzeit aber einen Bänderriss aus. Torhüter Stefan Smarkalev trainiert regelmäßig mit der Lizenzmannschaft und hütet den Kasten der Regionalliga-Mannschaft. Das Potential aller genannten Jungs ist jedenfalls noch längst nicht ausgeschöpft.

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